Alle sind schuld, nur wir nicht.
Friday, March 13th, 2009Killerspiele. Einzelgaenger. Gewaltfilme. Perspektivlos. Arbeitslos. Aussichtslos. Durchgeknallt. Unauffaellig.
Das, in etwa, fasstzumindest diePerspektive der Medien von Amoklaeufern und, zufaelligerweise, auch Jugendlichen im Ganzen. Nur die Arbeitslosigkeit ist, in diesem Zusammenhang, optional. Trotzdem schoen, wenn es so war, denn dann kann man den Untergang des Abendlandes hervorrangend beschwoeren.
Es ist der Versuch, das Unerklaerliche zu erklaeren. Wie will man auch erklaeren, dass jemand kaltbluetig andere Menschen ermordet? Das geht nicht. Weder im Kleinen des Amoklaufes, noch im Grossen des Krieges. Homo homini lupus est, wie die alten Roemer schon wussten: Der Mensch ist des Menschen Wolf.
Aber statt die Hilflosigkeit, die wir alle im Angesicht des Unbegreifbaren spueren, einzugestehen und offen zu sagen “Wir wissn’s, vestehen’s, auch nicht”, werden die Schuldigen schnell ausgemacht: Die gewalttaetigen Spiele, die das Morden und den Umgang mit Waffen lehren wuerden (ich habe schon, im Schuetzenverein, mit 16 Jahren Gewehre abgefeuert. Kein Spiel kann das trainieren. Nichts auf das Gewicht der Waffe und den Rueckstoss vorbereiten, ausser man lernt den Umgang am Objekt.). Die uns desensitieren (und nich, beispielsweise die Nachrichten, die uns jeden Abend Bilder von Mord und Totschlag, Katastrophen und Untaten zeigen), und gefuehllos machen (und nicht die zunehmende Etnfernung die wir Menschen zu einander aufbauen, allen MyFaceBooks und LinkedXings zum Trotz).
Dennoch kann man kaum dem Widersprechen, dass die Taeter nicht nur Taeter, sondern auch Opfer sind. In dem wir, als Gesellschaft, als Nachbarn, als Freunde, in einem realen Sinn versagen, nicht die richtigen Worte und Gesten finden die noetig waeren um unserem Gegenueber zu zeigen “Hallo, hier bin ich. Ich bin Mensch wie du, und hoere zu”.
Ich weiss nicht, ob es diese richtigen Worte gibt. Geben kann. Ich bin genauso hilflos im Angesicht des Unfassbaren wie alle anderen. Aber wenn ich mir das typische Profil eines Amoklaeufers ansehe, dann frage ich mich jedesmal: “Warum der, und nicht ich?”. Ich finde keine Antworten auf diese Frage. Zumindest keine einfache.
Vielleicht liegt es daran, dass ich eine Feigling war und bin. Vielleicht daran, dass ich nie Verzweifelt (oder im Fall von Tim K. deprimiert genug) war, um den Entschluss zu fassen, heute bringe ich jemanden um. Aber vermutlich liegt es an Freunden, die mich gut genug kannten, um zu wissen wie man mit mir umgehen muss.
Aber ich weiss, die Linie die mich von Amoklaeufern trennt, ist sehr, sehr schmal.
Was hat mich davon abgehalten? Gott war’s nicht. Die Politik nicht. Aber wahrscheinlich du.
